Sehr geehrte Festgäste, liebe Freundinnen und Freunde, seid alle ganz herzlich hier in unserem Pfarrstadel begrüßt.

Mehr als die Feierlaune überwiegt bei mir die Achtung vor den Menschen, die in den schwierigen zwanziger Jahren gewagt haben Farbe zu bekennen und sich entschlossen haben ihre politischen Ideen von sozialer Demokratie, Freiheit und Menschenwürde weiter zu tragen. Die zwanziger Jahre, das wissen wir, waren geprägt vom Ringen um die noch junge Demokratie. Der Vesailler Vertrag galt als Gewaltfrieden. Die Bündelung aller demokratischen Kräfte zur Stabilisierung der jungen Staatsform, verbunden mit intensiver Aufklärungsarbeit gelang leider nicht. Die sozialen Bedingungen, wie hohe Arbeitslosigkeit und die Börsenkräche taten ein Übriges und nährten den Irrglauben an den sogenannten starken Mann. Das älteste Dokument des Ortsvereins ist das Fahnenband vom 1. Mai 1927, das mit der Gautinger Fahne versteckt, das Nazireich überstand.
Ein weiteres Dokument ist überliefert – es stammt vom 30. August 1931, hat die Nummer 00151 und ist unterzeichnet vom Leiter der Gendarmeriestation Weßling, Karl Häser. (Siehe Anlage).
Aus der Zeit der Hitler-Diktatur fand ich keine Dokumente mehr.Kein Wunder:
Am 22. Juni 1933 wurde die SPD verboten, eine große Verhaftungswelle setzte ein. Zuvor, am 23. März 1933 hatte der SPD-Abgeordnete Wels für die Sozialdemokraten das Ermächtigungsgesetz abgelehnt und die denkwürdigen Worte gesprochen:

„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“.

Erst 1945 wurde unter Kurt Schumacher die Wiedergründung der SPD beschlossen.
Ab 1946/47 entstanden wieder demokratische politische Strukturen,bildeten sich Ortsverbände und Gewerkschaftskartelle. Die Verbindung der Sozialdemokratie mit den Gewerkschaften ist historisch gewachsen. Den Aufzeichnungen des DGB- Unterausschusses Weßling ab Mai 1947 verdanken wir ganz wesentliche Einblicke in das damalige soziale und kulturelle Leben. Die rein bäuerliche Struktur wird ganz deutlich in ihren Auswirkungen geschildert. Arbeits-und Entlohnungsgrundlagen spielten eine ganz wesentliche Rolle.. Die Löhne für Melker z.B. beliefen sich auf 33.- Mark bei freier Kost und Logis pro Woche. Welche Probleme die Menschen u.a.
bewegten dokumentiert ein Protokoll vom 5. Juni 1948.
Ich zitiere: Kollege Jäckle ruft zur Bekämpfung des Krebsleidens unserer Zeit, nämlich der Schieber und Schwarzhändler auf, die der Volkswirtschaft großen Schaden zufügen. Er berichtet lebhaft von einem Kollegen, der trotz eigener Notlage, einen dieser (wortwörtlich) Lumpen zur Tür hinaus wirft.
Erlauben Sie mir diesen Abstecher in die Quellen des Bayerischen Gewerkschaftbundes, da sowohl im DGB als auch in der SPD dieselben Namen
auftauchen:
Alfons Jäckle,
Walter Braunschweig
Josef und Helmut Kreuzer Walter Hermus
Spätere Vertreter der Sozialdemokraten im GR waren u.a.
Konstantin Edelmann
Dr. Erich Rieder

Der Ortsverein war vor der Gebietsreform lange mit Seefeld verbunden, dann mit Wörthsee.
Erst am 28. April 1983 gründeten einige Idealisten den eigenständigen Ortsverein.
Gerd und Gisela Heidenreich ­ Godo Reisenthel ­ Gerda und Manfred Bartlechner ­ das unvergessene Ehepaar König ­ das Ehepaar Lihl ­ und damals der Abiturient Manfred Miosga ­ Birgit Kastl ­ und Rupert Schmidt waren eifrig mit mir am Aufbau eines lebendigen Ortsvereines.
Ich glaube, dies ist uns gelungen.
Wir haben vier Kommunalwahlkämpfe bestritten, Bundestagswahlen, Europa- und Landtagswahlkämpfe organisiert und für unsere Ziele gekämpft.
Ich habe mich hochgearbeitet, Gemeinderätin/dritte Bürgermeisterin/zweite Bürgermeisterin/erste Bürgermeisterin. Unsere Gemeinderatmandate konnten wir von zwei auf vier verdoppeln. Einfach war es nicht. In erster Linie ist vor dem Erfolg der Schweiß gefragt ­ es heißt Arbeit und nichts als Arbeit.
Die Weßlinger spielen eine Rolle im Kreistag mit drei Mitgliedern:
Susanne Mörtl, Manfred Miosga und mir, die ich fast zwanzig Jahre Vorsitzende der Kreistagsfraktion war. Aber genug ­ Selbstdarstellung ist nicht meine Stärke. Das überlasse ich anderen. Ich bedanke mich für die gute Arbeit meiner Fraktion ­ Susanne Mörtl ­ Bernhard Martin ­ Manfred Miosga ­ und Günther Wieczorek. Wir haben viel vorangebracht, die Leitbildarbeit und die Bürgerbeteiligung, die Kinderbetreuung ist nahezu vorbildlich, das altengerechte wohnen, Umweltarbeit und Verkehrsverbesserung.

Im Gegensatz zu unseren Gründervätern/müttern dürfen wir im Wohlstand leben.
Das ist gut ­ verleitet aber viele Zeitgenossen zur Neigung über jeder Suppe den Kopf zu schütteln bis ein Haar hineingefallen ist und den Rückzug anzutreten. Aktive Bürgergesellschaft kann und muss der Resignation entgegentreten. Politik muss die Zukunft im Auge haben in der Ökologie, Ökonomie, in der Lebensfähigkeit des Einzelnen und der Familien. Konkretes Engagement im Einzelnenist wunderbar aber überflüssig sind Parteien als handlungsfähige Vertreter politischen Willens deshalb nicht.
Gerechtigkeit und Solidarität braucht unsere Gesellschaft heute genauso wie vor Achtzig Jahren.

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